„Medizin” heißt auf japanisch 療法 „Ryoho”.
Zu den ältesten erhaltengebliebenen japanischen Aufzeichnungen japanischer Geschichte gehören das Kojiki, „Aufzeichnungen der alten Begebenheiten” von 712 n.Chr. und das Nihongi (auch Nihonshoki), „Annalen Japans” von 720 n.Chr., die auf die mythischen Ursprünge der japanischen Medizin hinweisen.
Gemäß diesen mythischen Erzählungen ist die traditionelle japanische Medizin vor ca. 2600 Jahren durch die beiden Götter Ohonamuchi no mikoto (im Nihongi) bzw. Ohonamuji no kami (im Kojiki) und Sukunabikona no mikoto nach Japan gekommen.
In dieser aus Mythen bekannten Zeit bestand traditionelle japanische Medizin hauptsächlich aus Beschwörungen und Heiltrank (vor allem „Sake”, zu deutsch „Alkohol”).
Im Laufe der Zeit kam medizinisches Wissen aus Korea, China und Indien anfangs über Korea später auch direkt aus China nach Japan, weswegen die Medizin in Japan bis zur Öffnung des Landes „nach Westen” im wesentlichen chinesische Ursprünge hat, die in Japan dann aber auch eigenständig weiterentwickelt wurden. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann moderne deutsche Medizin in Japan eingeführt.
Ende des 19. Jahrhunderts hat Japan sehr schnell eine Modernisierung und Anpassung an die westliche Wissenschaft durchgemacht.
Im Zuge dieser Entwicklung ist die bis dahin angewendete traditionelle Medizin,
zu der auch Akupunktur mit ihrem chinesischen Ursprung gehört,
fast verschwunden und durch deutsche Medizin ersetzt worden.
Noch heute werden daher in der japanischen Schulmedizin viele deutsche Wörter verwendet.
Ab etwa 1920 hat sich dann in Japan eine Akupunktur-Bewegung „Keiraku Chiryo” (經絡治療, deutsch „Meridian-Therapie”, chinesisch „Jing Luo Zhi Liao”) gebildet, die das Wissen der alten chinesischen Klassiker, insbesondere des „Nan Jing” dem ersten reinen Akupunktur-Buch von etwa 100 n.Chr., wieder aufgriff und in der klinischen Praxis überprüfte.
Damit ist die moderne chinesische Medizin „TCM” (Traditionelle Chinesische Medizin = Zhong Yi), die sich wie die japanische Akupunktur aus der chinesischen traditionellen Medizin entwickelt hat, fast genauso alt wie die japanische Meridian-Therapie. Die TCM hat sich nämlich ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Volksrepublik China verbreitet, nachdem auch in China im 19. Jahrhundert die chinesische traditionelle Medizin von der westlichen Medizin (chinesisch „Xi Yi”) verdrängt worden war und gleichzeitig ein riesiger Bedarf an medizinischer Versorgung schnell zu decken war.
Viele Unterschiede zwischen japanischer Akupunktur und der Akupunktur der TCM erklären sich daraus, daß die TCM für eine ländliche und stark körperlich arbeitende Bevölkerung entwickelt wurde, während in Japan die Zielgruppe eine städtische und weniger körperlich arbeitende Bevölkerung war.
Diese Kunst hat eine 2600jährige Geschichte.Masaaki Hatsumi: Understand? Good. Play! 2001
Es ist kaum zu glauben, daß sie immer noch da ist
und daß sie mit modernen Waffen in mordernen Umständen angewendet werden kann.